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Das Kreuz ist die Macht, Prinzipien über die Macht zu stellen. (Seite 299)

 

Cover: Wahrheit und WandlungZum Inhalt

Europa war einstens das christliche Abendland. Doch der Einfluß des Christentums geht (anscheinend) zurück, der Säkularismus macht sich mehr und mehr breit, Religion wird ins Private verdrängt.
Vishal Mangalwadi hat als Inder den Blick von außen und kann aus seiner eigenen Umgebung immer wieder Beispiele aus einer nichtchristlichen Gesellschaft anführen. Eindringlich verdeutlicht er, wie die westliche Gesellschaft durch die Jahrhunderte hindurch von christlichen Vorstellungen, etwa den Zehn Geboten, beeinflußt wurde und was die Folgen sind, wenn so einfache Dinge wie „Du sollst nicht stehlen“ keine Gültigkeit (mehr) haben.

 

 

Meine Meinung

Es erscheint bis zu einem gewissen Grade verwunderlich, daß es ausgerechnet ein indischer Theologe ist, der der westlichen Gesellschaft den Spiegel vorhält und aufzeigt, wo bzw. wie es eigentlich lang gehen sollte. Andererseits ist das wiederum überhaupt nicht verwunderlich, denn Magalwadi hat, ohne jegliche „Betriebsblindheit“, den Blick von außen. Und das wird immer wieder deutlich, wenn er den direkten Vergleich zur nichtchristlichen Umgebung in Indien zieht, aus der er stammt. Oder wenn er von seinen Reisen nach Europa oder den USA und seinen Erlebnissen dabei erzählt. Beispielsweise seiner Verwunderung darüber, wie er in den Niederlanden in einen Milchverkaufsraum eines Bauernhofes kam, in dem nirgendwo ein Verkäufer zu sehen war. Man füllte sich die Milch in ein mitgebrachtes Gefäß und legte das Geld in eine dafür vorgesehene Schale. Zuhause in Indien ginge das nicht, da würden die „Kunden“ sowohl die Milch als auch das Geld mitnehmen. (Der Ägypter, dem er diese Geschichte einige Jahre später erzählte, gab zur Antwort: „Wir sind noch schlauer als die Inder, wir würden die Milch, das Geld und die Kühe mitnehmen.“, vgl. S. 25)

Nicht nur mit diesem Beispiel zeigt Mangalwadi auf, wie sehr das Christentum einmal in der westlichen Gesellschaft verwurzelt war bzw., wenn oft unbewußt, noch ist. Denn hier gibt es beispielsweise das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ - in Indien oder anderen nichtchristlichen Ländern jedoch nicht. Immer wieder zieht er Vergleiche zwischen der westlichen, vom christlichen Gedankengut geprägten, Gesellschaft und der indischen, in welcher der Hinduismus die bestimmende Auffassung ist. Indem er die Zehn Gebote quasi „durchdekliniert“ und aufzeigt, was diese für die Entwicklung einer Gesellschaft bedeuten, stellt er dar, daß unsere heutige Gesellschaftsordnung so geworden ist, eben weil sie eine christliche Grundlage hat.

Ein Anliegen ist es ihm aufzuzeigen, was passiert, wenn solche Grundsätze nicht beachtet werden, keine Gültigkeit haben: es führt zu Korruption. Diesen Begriff definiert er sehr weit. Um bei dem Beispiel mit der Milch zu bleiben: wären die Menschen nicht ehrlich, müßte der Bauer jemanden für den Verkaufsraum einstellen, was natürlich Lohnkosten verursachen würde, die letztlich die Kunden bezahlen müßten, denn die Preise würden entsprechend steigen. Dieser Verkäufer würde dann natürlich auch kontrolliert werden müssen, was wiederum Kosten verursacht, die die Preise nach oben treiben. Was hier für das „Kleine“ beschrieben wurde, gilt auch für das „Große“ mit, wenn man sich das durchdenkt, gewaltigen Auswirkungen.

Ein weiteres ist es aufzurütteln, daran zu erinnern, wie explosiv die Botschaft Jesu zu seiner Zeit war - und genau genommen auch heute noch ist. Sie war für die Mächtigen immerhin so gefährlich, daß sie Jesus hinrichteten. Jesus wußte um diese Sprengkraft, nicht umsonst heißt es mehrfach im Evangelium „nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“. Und Letzteres gilt auch heute noch. Indem Mangalwadi die Brisanz der Verkündigung Jesu zu seiner Zeit aufzeigt, wird deutlich, daß von dieser Brisanz bis heute nichts verloren gegangen ist.

Jesus kam als der Sohn Gottes. Als solcher hat er einen universalen Anspruch, vor allem aber ist jeder Mensch - und jeder „Kaiser“ - ihm Rechenschaft schuldig. Denn wenn er der Sohn Gottes ist, steht er über der Welt - damals wie heute. „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört.“ (Mt 22.21) Mangalwadi fordert dazu auf, stets auf neue zu prüfen, was in welche Kategorie gehört - und dann entsprechend zu handeln. Und sich dabei bewußt zu sein, daß das auch heute noch Folgen zeitigen kann. Nicht umsonst ist das Christentum immer noch die am meisten verfolgte Religion.

In einer Gesellschaft, die Gott nicht fürchtet, besteht der einzige Weg, Gerechtigkeit herzustellen, darin, alle unter ständige Beobachtung zu stellen. Über die früheren Generationen wachte Gott; die gottlosen Generationen werden einen Big Brother brauchen, der über sie wacht. (S. 162)

Das Buch ist ein Weckruf, sich mit der Aktualität der Botschaft Jesu zu beschäftigen, den Tanz um das Goldene Kalb aufzugeben und das Leben (wieder) an den Geboten Gottes auszurichten.

 

Mein Fazit

Ein eindrucksvolles und überzeugendes Plädoyer für eine christlich geprägte Gesellschaft und die Aufforderung dazu, „sein Kreuz aufzunehmen und Jesus nachzufolgen“. Auch unter den Bedingungen der heutigen Zeit.

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Über den Autor

Vishal Mangalwadi (geb. 1949) hat an den Universitäten von Allabahad und Indore Philosophie studiert. 1976 gründete er zusammen mit seiner Frau Ruth eine gemeinnützige Organisation, die sich um die Armen auf dem Land kümmert. Seit 2013 ist er als Honorarprofessor für angewandte Theologie an der theologischen Fakultät des Sam Higginbottom Institut für Agrikultur, Technologie und Wissenschaft in Allahabad tätig. Er hat 17 Bücher sowie etliche Beiträge für Sammelbände veröffentlicht.

Bibliographische Angaben

332 Seiten, Klappenbroschur. Originaltitel: Truth And Transformation. Aus dem Englischen von Christian Rendel
Verlag: Fontis-Brunnen Verlag, Basel 2016. ISBN 978-3-03848-093-8

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