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Cover: Die Magd des Gutsherrn

Zum Inhalt

Als der Tierarzt Dr. Lukas Biber eine halberfrorene junge Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat und mit einem seltsamen Wiener Dialekt spricht, findet, kann er noch nicht ahnen, wie sehr sich dadurch sein Leben verändern wird. Seit einem Jahr Witwer, ist er ein brummiger, zurückgezogen lebender Mann geworden, der sich schwer tut, sich um sein Baby zu kümmern. Da Therese, wie man die junge Frau nennt, nicht weiß wohin, bleibt sie erst mal auf seinem Gutshof als Kindermädchen und Hausmagd.
Langsam taut er auf, doch zwischen ihnen steht die ungeklärte Herkunft der Frau, die nicht weiß, ob sie schon verheiratet ist. Und am Horizont ziehen die Wolken des deutschen Bruderkriegs 1866 auf, in den Theresa mehr verwickelt ist, als sie ahnt. Denn im fernen Berlin und Wien ist ihr Bruder als Spion für die Österreicher tätig.

 

 

Kommentar / Meine Meinung

„Königgrätz“ ist mir natürlich ein Begriff. Da haben die Österreicher gegen die Preußen verloren, der Deutsche Bund wurde aufgelöst, denn Bismarck bevorzugte die kleindeutsche Lösung, und in der Folge entstand später das Deutsche Reich. Soweit so gut und aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Aber was hieß das unterhalb der großen Politik für die kleinen Leute? Darüber habe ich noch nirgends etwas gefunden, geschweige denn, daß das in der Schule Erwähnung gefunden hätte. Eigentlich ist das auch gar nicht Thema dieses Romans, und dennoch zeigt er quasi nebenbei die Folgen der großen Politik für die Menschen auf.

Thomas, Sohn eines ungarischen Botschafters in Wien, arbeitet als Spion für das österreichische Außenministerium. Dabei wird er entdeckt und muß fliehen. Das gelingt ihm auch, jedoch ist seit dieser Nach seine Schwester Marika, die die gleichen rotleuchtenden Haare hat wie er, verschwunden.

Kurz darauf taucht eine junge mit roten Haaren Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat, im württembergischen Schwarzwald auf. Sie kommt beim Witwer Dr. Lukas Biber unter, um seinen Haushalt und sein Baby, bei dessen Geburt die Mutter verstorben ist, zu versorgen. Denn wo soll sie hin, ohne Gedächtnis, ohne Wissen, wer sie ist?

Im Folgenden entspinnen sich zwei Handlungsstränge, die gegen Ende zwangsläufig zusammenlaufen müssen. Thomas geht nach Berlin, um nach seiner Schwester zu suchen. Denn zurecht vermutet er, daß sie von den Preußen an seiner statt entführt wurde. Die junge Frau hingegen wird Theresa genannt, denn ihren richtigen Namen kennt sie nicht, bleibt auf dem Gutshof. Immer wieder drängen sich einzelne Erinnerungsfetzen in ihr Gedächtnis, ohne daß sich ein sinnvolles Muster daraus ergäbe.

In der Zwischenzeit verschärfen sich die Spannungen zwischen Österreich und Preußen, was insbesondere Thomas in Berlin zu spüren bekommt. Er hat sich nämlich in die Tochter eines preußischen Generals verliebt, was unter den gegebenen Umständen mehr als ungeschickt ist. Gerade in den Szenen, die in Berlin spielen, merkt man sehr „schön“ die Veränderugen im Verhältnis der Staaten zueinander und wie sich das auf die Menschen auswirkt. Der Krieg ist unvermeidlich - und aus Freunden werden Feinde. Sie wissen es, wollen, aber können nichts dagegen tun.

Theresa hingegen kämpft mit Schwierigkeiten ganz anderer Art. Darf sie für Dr. Lukas Gefühle empfinden, wo sie doch nicht weiß, ob sie möglicherweise schon verlobt oder gar verheiratet ist? Gut konnte ich ihre Probleme, die sich aus der Amnesie ergeben, nachvollziehen. Daß diese durch Neid und Mißgunst in der Umgebung nicht gerade vermindert wurden, sei nur am Rande vermerkt. Schließlich will ich nicht den Inhalt hier nacherzählen. Immer wieder habe ich gestutzt, aber die Autorin hat gut recherchiert: das Verhalten der Figuren erschien mir für das 19. Jahrhundert glaubhaft wie es auch die ganzen im Buch vorkommenden Dinge zu der Zeit, da die Handlung spielt, gab. Lediglich beim Fahrrad bin ich mir nicht so sicher. Das gab es in Vorläufern zwar schon, hieß aber noch anders, und setzte sich erst weitaus später durch. Aber das ist eine Kleinigkeit und für diese Geschichte unwesentlich und die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Mit einerseits Thomas und Christine und andererseits Lukas und Theresa hat die Autorin zwei gegensätzliche Paare geschaffen. Während sich erstere durchaus der Zeit und dem Umständen angemessen annähern, fliegen bei Theresa und Lukas schon mal die Fetzen, denn sie ist nicht auf den Mund gefallen und ist, wie auch Lukas, nie um eine stichelnde Bemerkung verlegen. Beim Lesen habe ich so manches mal gegrinst oder auch laut aufgelacht. Für solche Paarungen hat die Autorin ein glückliches Händchen (bzw. Schreibe), denn auch in ihren anderen Büchern (z. B. „Goldsommer“ oder auch „Wohin der Wind uns trägt“) gibt es solche. Und dennoch hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, etwas schon mal gelesenes vorzufinden. Es war hier ganz anders und wieder neu und eigen.

Stilistisch empfand ich das Buch auf dem (hohen) Niveau der anderen bisher von dieser Autorin gelesenen Bücher. Das Kopfkino hat auf der ersten Seite begonnen zu laufen, die Figuren konnte ich mir sehr gut und lebendig vorstellen; lediglich die Eltern von Marika blieben bis zum Schluß etwas blaß. Für meinen Begriff kann Elisabeth Büchle sehr gut mit den im Genre zahlenmäßig überlegenen amerikanischen Autorinnen mithalten und ich finde es schade, daß der Verlag da nicht mehr tut (und beispielsweise die Bücher länger lieferbar hält). Immerhin sind inzwischen zwei Ihrer Bücher bei Weltbild erfolgreich in Lizenz erschienen: dieses sowie der 2012 mit dem 2. DeLia-Preis ausgezeichnete Roman „Goldsommer“.

Am Ende sind dann alle offenen Fäden verknüpft, mindestens eine große Überraschung (mit der ich überhaupt nicht gerechnet habe) aufgetaucht, der eine oder andere Grauton übrig geblieben, wie das im Leben eben so ist, und das Buch innerlich ruhig und zufrieden geschlossen. Schön wars - und ich freue mich schon auf das nächste Elisabeth Büchle Buch, egal worum es geht. Denn das ist eine der wenigen Autorinnen, die auch über Dinge, die mich eigentlich nicht interessieren, so schreiben kann, daß ich das einfach lesen muß. Und das ist nicht bei vielen so.

 

Kurzfassung

Während eine entführte junge Frau mit Amnesie im württembergischen Schwarzwald auftaucht, sucht ihr Bruder im Berlin der Wochen for dem deutschen Bruderkrieg nach ihr. Eine gut und flüssig lesbare Geschichte, die die Auswirkungen der großen Politik auf die kleinen Leute deutlich macht.

 

Über die Autorin

Elisabeth Büchle wurde 1969 in Trossingen geboren und absolvierte sowohl eine Ausbildung zur Bürokauffrau als auch zur Altenpflegerin. Sie wohnt mit ihrem Mann und den fünf Kindern im süddeutschen Raum.

Bibliographische Angaben meiner Ausgabe

415 Seiten, gebunden. Verlag: Gerth Medien GmbH, Aßlar, 3. Auflage 2008

Eine Aufstellung aller Bücher von Elisabeth Büchle finden Sie hier: Büchle, Elisabeth und ihre Bücher

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Schlüter, Ann-Helena: Frei wie die Vögel (Rezension von Bernhard Gregor)

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