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Zum InhaltCover: Willkommen im Cottonfield Cafe

Caroline hat sich vorgenommen, niemals so zu werden wie ihre Mutter, die die Familie einfach im Stich gelassen hat. Deshalb bemüht sie sich, zuverlässig zu sein, niemanden zu verletzen und stets wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen. Als Caroline überraschend ein alteingesessenes Café erbt, gibt es jedoch scheinbar keine vernünftige Lösung, um das marode Lokal zu retten und es wieder einmal allen recht zu machen. Vor allem, da sie gerade ein Jobangebot aus Spanien hat, das sie eigentlich nicht ablehnen kann.

 

 

 

Kommentar / Meine Meinung


Eigentlich könnte ich es mir sehr einfach machen und einfach schreiben "ich habe nichts zum Kritisieren gefunden, außer daß die Protagonistin Caroline bisweilen selten naiv und gutgläubig ist, so daß ich sie gerne immer wieder mal kräftig durchgeschüttelt hätte." Aber so kurz soll es denn doch nicht sein.

Schlimmer als Sterben ist niemals gelebt zu haben. So lesen wir auf Seite 20. Bisweilen braucht es zum „Leben“ erstmal einen Anstoß, auch wenn der sich auf den ersten Blick gar nicht als solcher zu erkennen gibt. Beispielsweise eine Erbschaft.

Caroline erbt also das Cottonfield Café, eine etwas heruntergekommene, heruntergewirtschaftete Lokalität in Beaufort. Damit steht ihr Leben Kopf. Von heute auf morgen ist sie die Verantwortliche, hat Angestellte, muß sich mit Handwerkern herumschlagen, hat obendrein einen Freund J. D. und natürlich Mathilda, ihr altes Auto. Ihre Mutter hatte einen, um es so auszudrücken, etwas unsteten Lebenswandel, bis sie die Familie schließlich ganz verließ. Inzwischen ist sie seit einigen Jahren tot, doch die Wunden bei Caroline und ihrem Bruder bluten noch immer.

Nicht gerade günstige Voraussetzungen. Oder etwa doch? Vor allem, da zu allem Überfluß Mitch wieder da ist. Mitch, die große Jugendliebe, die vor einigen Jahren nach Nashville ging, um ein Country-Star zu werden - und es auch wurde. Jetzt, etwas frustriert, ist er zurückgekommen in seine Heimatstadt um Nachzudenken, sich neu zu positionieren.

Und mittendrin Caroline, die es immer allen recht machen will und dabei meist die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt. Drum nimmt sie auch die Erbschaft an, denn sonst würden ja der Koch und die Bedienung arbeitslos. Obwohl Caroline ein Arbeitsangebot aus Spanien hat, das sie eigentlich gar nicht ablehnen kann. Drum steht auch bald fest, daß sie das Café verkaufen wird. Käufer finden sich auch rasch, nur der richtige Zeitpunkt muß noch abgewartet werden.

Es ist eine langsame, fast hätte ich geschrieben luftige, eine eher leise Geschichte, die sich über die nächsten Monate hin entwickelt. Nichts Weltbewegendes passiert, vom Hurrikan Howard vielleicht mal abgesehen. Es sind kleine Ereignisse, ein kaputter Herd, defekte Toiletten oder verrottete Stromleitungen, die Caroline immer wieder in Atem halten und Improvisationstalent verlangen. Und Geld, das wieder und wieder aufgetrieben werden muß. Dabei ist sie, wie gesagt, bisweilen etwas sehr naiv und gutgläubig. Manches Mal hätte ich sie gerne durchgeschüttelt und gefragt „Mensch, Mädchen, merkst Du denn nicht, was da um dich herum vorgeht, was die vorhaben?“ Ihr Freund J. D. beispielsweise, der ... Nein, ich verrate es an dieser Stelle nicht.

Das Buch ist sehr schön aufgemacht, zu den meisten Kapitelanfängen gibt es eine Tageskarte mit Datum, so daß man den Zeitverlauf verfolgen kann. Aber Gott sei Dank ist Caroline ja lernfähig. Und so klären sich die Verhältnisse, beruflich mit dem Verkauf des Cafés (obwohl ich am Ende doch überrascht wurde), und auch privat zu J. D. und zu Mitch. Zum guten Schluß wissen wir, weshalb Caroline das Café geerbt hat, es sind fast alle losen Fäden verknotet, und die paar offenen weisen in eine bestimmte Richtung hin.

Seltsam, diese Kleinstadtgeschichten, wer wen geliebt hat. Wann und warum, Freundschaften zerbrochen, Freundschaften geschlossen. Herzen gebrochen. Herzen geheilt. (Seite 300)

Und doch sind es letztlich diese Kleinstadtgeschichten, die aus der unsicheren, es allen recht machen wollenden Person eine selbstbewußte junge Frau machen, die ihren Weg gehen wird. Wo und mit wem auch immer das sein mag. Sicher keine weltbewegende Literatur, aber ein einfach schönes Buch, aus dem Ruhe und Bedächtigkeit des Kleinstadtlebens hervorlugen, das mir viel Freude beim Lesen bereitet hat, und das ich, wenn ich wieder mal Bedürfnis nach Ruhe und innerem Frieden habe, sicherlich wieder lesen werde. Genauso, wie manches andere Buch dieser Autorin.

 

Mein Fazit

Eine langsame, unaufgeregte Geschichte über eine junge Frau, die ein Café erbt und so gezwungen wird, sich über ihre wahren Wünsche ans Leben klar zu werden - und diese dann auch zu verwirklichen.

 

 

Bibliographische Angaben

Aus dem Amerikanischen von Eva Weyandt
352 Seiten, gebunden, Gerth Medien GmbH, Aßlar 2009

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