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Sie seufzte wehmütig. „Und jetzt sind wir hier. Keine von uns lebt das Leben, von dem wir geträumt haben.“ (Seite 481)

 

Cover: Die Herberge von Ivy HillZum Inhalt

Jane Bell erbt nach dem Tod ihres Mannes überraschend die Herberge „The Bell“. Da sie zum Einen noch zu sehr trauert, sich zum Anderen die Führung des Unternehmens nicht recht zutraut, läßt sie sich von ihrem Schwager Patrick sowie der ungeliebten Schwiegermutter Thora helfen. Schwierig wird es, als die Bank unversehens ein Darlehen, von deren Existenz Jane nicht wußte, fällig stellt. Es verbleiben nur zwölf Wochen, ihr Erbe zu retten.
Durch die gemeinsamen Interessen verstehen sich Jane und Thora im Laufe der Zeit besser, doch immer wieder gibt es neue Rückschläge, als ob sich jemand gegen das „Bell“ verschworen hätte. Nebenbei geht das Leben weiter und bringt neue Hoffnungen mit sich. Aber reicht das, um das „Bell“ zu retten?

 

 

 

Meine Meinung

Wie alle anderen Romane der Autorin, ist auch dieses in der sog. Regency-Zeit angesiedelt, das Besondere dieses Buches ist jedoch, daß es das erste einer auf drei Bände angelegten Serie (und der ersten Serie überhaupt, die die Autorin geschrieben hat bzw. schreibt) ist. Während es sonst bei Trilogien meist so ist, daß die Nebenfiguren des einen die Hauptfiguren des nächsten Bandes sind, scheint es hier so zu sein, daß eine durchgängige Geschichte erzählt wird. Zwar mit dem Fokus auf je bestimmten Figuren, doch die Handlung wird auch für alle anderen vorangetrieben. Vermutlich sind die Bände auch einzeln verständlich, besser ist es jedoch, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn es will mir scheinen, daß die Ereignisse dieses Bandes in den beiden folgenden (als bekannt) vorausgesetzt werden.

Die Handlung spielt um 1820, also nur wenige Jahre später, als etwa die Romane Jane Austens. Es ist demgemäß kein Wunder, wenn sich so manche Parallele, wie der Umgang zwischen den Geschlechtern oder die Kleidung, ergibt. Wenn ich das richtig erinnere, war um diese Zeit das Korsett nicht unbedingt notwendig bzw. wurde oft nicht getragen. Dadurch fiel mir auf, daß an zwei Stellen vom Korsett die Rede ist, dann jedoch ein Kleid angezogen, das sehr hoch ansetzt und ohne Korsett getragen wird (wie man es aus den Jane Austen Verfilmungen kennt). Ob das nun eine Inkonsistenz ist oder einfach in kurzem Abstand so verschiedene Kleidung getragen wurde, vermag ich nicht zu beurteilen. Für die Handlung ist es nicht notwendig, es fiel mir allerdings als widersprüchlich (?) auf.

Das ist dann allerdings schon mein einziger Kritikpunkt. In mancherlei Hinsicht hat mich das Buch überrascht. Beispielsweise empfand ich es als deutlich anspruchsvoller als erwartet. Es ist nicht einfach ein Unterhaltungsroman, in welchem Figuren und Handlungen aus unserer Zeit in die Vergangenheit versetzt wurden und die Zeit nur eine Kulisse bildet, sondern die Erzählung erscheint mir höchst glaubwürdig für die Zeit um 1820. Besonders interessant sind die Schilderungen des Herbergs- und Postbetriebes. Manche Entwicklungen scheinen sich zu wiederholen: so ist eines der Probleme der Herberge „The Bell“ der Bau der neuen Schnellstraße, die den Ort umgeht - und damit das Geschäft recht negativ beeinflußt. Auch die Beschreibungen der Postkutschenfahrten und der dafür notwendigen Infrastruktur - etwa zum Wechseln der Pferde - gibt tiefe Einblicke in die Strukturen der Zeit.

Dabei werden die Schwierigkeiten ohne Verschönerungen beschrieben, so daß ein realistisches Bild der Lebensumstände entsteht. Erstaunlich für einen Roman aus einem christlichen Verlag zudem, daß das Thema Religion eine eher untergeordnete Rolle spielt. Man verstehe mich nicht falsch, gerade durch diese Zurückhaltung gewinnt das Buch für mich an Glaubwürdigkeit, denn ich vermute, daß das den Verhältnissen damals recht nahe kommt. Der Glaube ist - mehr oder weniger - Bestandteil des (täglichen) Lebens, ohne daß man das groß erwähnt oder herausstellt, so wie es wohl wirklich war.

Die größte Entwicklung durchlief naturgemäß Jane Bell, die Hauptfigur dieses Bandes. Zu Beginn noch immer in der Lethargie ihrer Trauer gefangen, erkennt sie mehr und mehr, daß sie diese überwinden und die Zügel selbst in die Hand nehmen muß, will sie nicht alles verlieren und im harten Kampf des täglichen Lebens bestehen, von den Intrigen in ihrer Umgebung ganz zu schweigen. Aber auch ihre Schwiegermutter Thora muß lernen, daß Jane nicht die unfähige (ehemalige) Adelige ist, für die sie sie immer gehalten hat. Und daß manches sich nur lösen läßt, wenn sie selbst sich verändert.

Zu Beginn etwas langsam, entwickelte sich beim Lesen ein immer stärker werdender Sog, so daß ich das Buch schließlich kaum mehr aus der Hand legen konnte, weil ich wissen wollte, wie einige Dinge zusammenhingen und vor allem, ob es gelingen würde, „The Bell“ zu retten. Nachdem dies alles geklärt war, konnte ich das Buch ruhig zuschlagen und mich auf den Folgeband, der schon in meinem Bücherregal steht und bald gelesen werden wird, freuen.

Mein Fazit

Ein Unterhaltungsroman mit Tiefgang, angesiedelt im England des Jahres 1820, der anschaulich die Schwierigkeiten einer Herberge und ihrer Menschen, die sich in manchem gar nicht so sehr von uns heutigen unterscheiden, schildert. Lesenswerter Einstieg in die Trilogie.

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Über die Autorin

Julie Klassen hat an der University of Illinois studiert und arbeitete 16 Jahre als Lektorin, bevor sie Vollzeitschriftstellerin wurde. Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt sie in der Nähe von St. Paul, Minnesota. Mehrere ihrer Bücher wurden preisgekrönt.

 

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