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Rational betrachtet brach gerade ein normaler Dezemberabend an. Doch zu keiner anderen Zeit im Jahr waren seine Mitmenschen, ob jung oder alt, so bereit, an Wunder zu glauben, wie in diesen dunklen Dezembertagen. (Seite 134)

 

Cover: Bevor die Stadt erwachtZum Inhalt

Die alleinerziehende Amelia Rothermund kommt mit ach und Krach über die Runden. Der Komponist Ephraim Sasse ist ein Miesepeter, wie er im Buche steht. Die verwitwete Agnes benötigt Geld für einen Umzug in eine kleinere Wohnung.
Als Amelias Sohn einen Brief an den Weihnachtsmann schreibt, in dem er sich wünscht, daß seine Mutter nicht mehr so müde ist, wird eine Entwicklung in Gang gesetzt, deren Folgen niemand voraussehen konnte. Denn Agnes arbeitet inzwischen vertretungsweise bei Sasse und sorgt dafür, daß der Brief vom Papierkorb wieder auf den Schreibtisch des Komponisten gelangt. Mit ungeahnten Folgen...

 

 

 

Meine Meinung

So kann es gehen. Eigentlich suchte ich, quasi als Puffer, zwischen dem gerade gelesenen „Nachsommer“ von Adalbert Stifter und dem nächsten Buch „Krieg und Frieden“ von Tolstoi einen nicht allzu langen, und vor allem nicht allzu schweren, Roman. Da schien mir auf Grund des Rückentextes dieses Buch geradezu prädestiniert zum „Lücke füllen“. Und dann hat mich dieses Buch völlig überrascht - positiv meine ich.

Wenn das Leben von Jesus eine Überschrift hätte, dann würde sie „Alles kommt anders“ lauten. (S. 232) Genau das könnte man auch über dieses Buch sagen, denn es hat sich in der Tat ganz anders entwickelt, als ich es erwartet habe. Was in diesem Fall, ich schrieb es schon, eine erfreuliche Entwicklung war.

Ich habe in manchen meiner Rezensionen, vor allem zu Filmen, des öfteren geschrieben, daß aktuelle Entwicklungen (wie z. B. Kriegseinsätze der Armee) im Gegensatz zu Amerika in deutschen Unterhaltungsmedien so gut wie nie vorkommen und keine Rolle spielen. Um so erstaunter war ich, daß nun genau in dieser Geschichte mit dieser „Regel“ gebrochen wird. Zunächst dachte ich, es sei zugegeben, „ach ne, was soll das, ich möchte einfach einen leichten Roman ohne allzu große Probleme lesen“, aber die Autorin hat das dermaßen gut und geschickt in die Handlung verwoben, daß das einfach so sein muß und meine Vorbehalte schnell verflogen waren.

Und genau dies ist der Grund, weshalb hier ein Buch aus einem „säkularen“ Verlag besprochen wird.

Nun ist es bei der Autorin, die Theologie studiert hat, möglicherweise nicht so sehr weit hergeholt, wenn sie christliche Themen und Einstellungen in ihren Büchern verarbeitet. Allerdings ist mir das in Büchern aus „allgemeinen“ Verlagen bisher eher wenig begegnet und fiel mir hier daher um so positiver auf. Vor allem die Selbstverständlichkeit, wie hier quasi „durch die Hintertür“ die Aktivitäten einer Kirchengemeinde eingeführt und Teil der Handlung wurden zeigt, daß man sehr wohl ein Buch für ein „allgemeines Publikum“ schreiben und dennoch, auch oder gerade bei Weihnachten, christliche Elemente, ohne daß diese aufgesetzt, missionarisch oder gar störend wirken, in den Roman einbauen kann. Das hat mir ausnehmend gut gefallen.

Dabei entsteht in den ersten Kapitels erst einmal so etwas wie ein unübersichtliches Chaos, was die handelnden Figuren betrifft, und ich fragte mich, wie das alles zusammen gehören soll. Aber bald werden die Zusammenhänge deutlich. Bewundernswert, wie es der Autorin gelungen ist, anscheinend völlig entgegengesetzte Handlungsstränge nach und nach zusammenzuführen, daß sich alles wie die Teile eines Puzzles zusammensetzt und schließlich ein vollständiges Bild ergibt.

Was mich aber am meisten überrascht hat war, daß sich hinter dieser anscheinend so einfachen und klaren Handlung (zumindest wollte es mir nach dem Lesen des Buchrückentextes so erscheinen) eine zum Einen nicht so einfache verbirgt und zum Anderen sich das zu einem wirklichen und richtigen Weihnachtsbuch mit Tiefgang entwickelt. Denn hier geht es nicht nur um Weihnachtsmusik verschiedener Coleur, Plätzchenduft und heimelige Atmosphäre, sondern mittels der erwähnten aktuellen Bezüge kommen „handfeste“ christliche Werte ins Spiel, ohne daß das aufgesetzt oder gewollt wirken würde, sondern mehr oder weniger nebenbei wird deutlich, was christliche Werke in der Praxis bedeuten und wie sie mehr oder weniger einfach im täglichen Leben gelebt werden können - nicht nur zur Weihnachtszeit.

So bleibt mir dieser Roman als ein gut lesbares Buch in Erinnerung, in dem eine - entgegen meiner Erwartung - nicht vorhersehbare Handlung sich zu einem wirklich guten Weihnachtsbuch mit etlichen emotionalen Szenen entwickelt. Solcherart lasse ich mich gerne überraschen und werde nach weiteren Büchern der Autorin Ausschau halten.

 

Mein Fazit

Ein Unterhaltungsroman, der sich zu einem richtigen, durchaus tiefgründigen, Weihnachtsbuch entwickelt und sehr gut geeignet ist, auf die Advents- und Weihnachtszeit einzustimmen.

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Über die Autorin

Kerstin Hohlfeld wurde 1965 in Magdeburg geboren und hat evangelische Theologie studiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und ist seit 2011 hauptberuflich als Schriftstellerin tätig.

Bibliographische Angaben

250 Seiten, kartoniert
Verlag: Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2017. ISBN 978-3-548-28853-6